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Ötztaler Radmarathon 2016

Zwei mal bin ich schon beim Ötzi gestartet, aber noch nie bin ich bei der ersten Verlosung gezogen worden. Und diese Tradition hat sich 2016 fortgesetzt. Aber zum Glück kannte ich einen, der einen kennt, der mir seine Startnummer dann übertragen hat.

Bisher bin ich immer alleine gestartet. Dieses Mal wollte ich den Ötzi zusammen mit Matze alias Lance, dem Premium-Spinning-Coach, rocken.

Ende März haben wir mit den Vorbereitungen auf den Ötzi begonnen. Beim letzten Schwarzwald-Training, drei  Wochen vor dem Start, fing mein rechtes Knie unerwartet an zu zicken. Eine perverse Streckblockade führte dazu, dass Auftreten beim Gehen phasenweise nur mit höllischen Schmerzen ... und Kurbeln mit überschaubaren Beschwerden ging.

Eine Woche mit entzündungshemmenden Medikamenten und ohne Training halfen leider nicht. Also sind Matze und ich zwei Wochen vor dem Ötzi nach Sölden gefahren, um den ultimativen Belastungstest unmittelbar am Timmelsjoch durchzuziehen: 22 km Aufstieg von der Nordseite ... Südseite runter nach Italien Richtung Sankt Leonhardt ... 8 km rauf auf den Jaufen Pass und wieder runter ... 29 km Aufstieg auf der Südseite des Timmelsjochs ... und wieder zurück nach Sölden. Das Knie habe ich vor allem in den letzten beiden Stunden gespürt, aber es hat gehalten. Danach fiel die Entscheidung für den Start. Und ich hatte nur noch zwei Wochen, um die Entzündung in dem Knie mit Eisbeuteln und Medikamenten (und ohne Training) irgendwie wieder wegzukriegen. 

Am 28. August war es dann soweit. Mit sehr, sehr  gemischten Gefühlen bin ich um 06:30 zum Start gerollt. Ich war total unsicher, ob und wie lange das Knie wirklich hält. Blöd war, dass Matze und ich uns schon vor dem ersten Anstieg auf den Kühtai-Pass verloren haben. Was wir nicht wussten: nach 127 km am Brennerpass waren wir nur 1 Minute auseinander ... aber haben uns nicht gesehen.

Wie bei den ersten beiden Ötzis bin ich trotz der Knock-Out Vorgaben wieder ohne Tacho und Uhr gefahren. Nach den ersten 19 km Anstieg hatte ich auf dem Kühtai-Pass ein sehr gutes Gefühl. Alles lief planmäßig, das Knie hielt ... und der Himmel war blau. Endlich mal ein Ötzi ohne Regen :-) Ohne Boxenstop bin ich dann sofort runter in Richtung Innsbruck. Und ich hatte mega Glück. Unmittelbar nach der Abfahrt vom Kühtai habe ich eine Gruppe mit etwa 20 Fahrern gefunden und mich dran gehängt. Sensationell ... mit Tempo 35 ging es durch Innsbruck ... und auch der anschließende 39 km lange Anstieg  auf den Brenner lief perfekt. In Zweierreihen sind wir förmlich hoch geschossen.

Oben auf der Brenner-Passhöhe habe ich nach 127 km den ersten Boxenstopp gemacht. Flaschen aufgefüllt, getrunken und gegessen und beim ersten Blick auf die Uhrzeit konnte ich es nicht glauben ... 25 Minuten schneller als 2014 ... das gab Spielräume für die Knock-Out Zeit vor dem Timmelsjoch in Sankt Leonhardt. Überhaupt fühlte ich mich richtig gut: Bllauer Himmel, die Sonne schien, das Knie hielt ... und die Belastung nach zwei Pässen war überschaubar.

Nach der anschließenden Abfahrt in Richtung Sterzing kam der Jaufen-Pass. Ein richtig "dreckiger" Pass, weil der Anstieg einem keinen einzigen Meter Erholung gönnt. 2012 bin ich dort total abgekackt. Dieses Jahr war es in der Sonne sehr hart ... aber irgendwie habe ich die 16 km weggedrückt und hatte die Passhöhe im Blick.

Die Labestation kurz davor war total überfüllt, also bin ich ohne Anhalten durchgefahren. Eine falsche Entscheidung, wie sich später herausstellte. In meinem Wassersack war noch etwa 1 Liter ... also habe ich auch vor dem Aufstieg auf das Timmelsjoch nicht angehalten, obwohl ich am Vortag eine Tüte mit Schokolade, Cola, Wurst, Bananen etc. hinterlegt hatte.

Die ersten 7 km Anstieg auf das Timmelsjoch liefen ordentlich, dann kam das erste Tief. Blöd war, es war etwa 30 Grad heiß ... und meine Flaschen waren ziemlich schnell leer. Aber ich hatte Glück im Unglück: Ein Streckenposten  stand mit seinem Motorrad am Straßenrand und trank einen Schluck aus seiner Flasche. Ich fragte ihn, ob ich mal trinken darf ... und er sagte: "Willst lieber was Süßes?" ... und hielt mir einen halben Liter Sprite hin :-)

Oh man war das geil. Die Sprite hat mich im wahrste Sinne des Wortes gerettet. Mit der neuen Energie habe ich mich dann die nächsten 10 km Anstieg bis zur Labestation Schönau durchgekämpft. Dort habe ich meine Flaschen mit Cola gefüllt und mich mit Bananen, Kuchen, Nüssen und Riegeln gestärkt. Die letzten 10 km Anstieg bis zum Gipfel waren dann hart ... aber da wusste ich bereits, ich werde es definitiv bis zum Gipfel schaffen.

Oben auf dem Gipfel war es kühl, aber ich konnte ohne zusätzliche Windjacke direkt durchfahren und runter nach Sölden rollen. 40 Minuten braucht man für die Abfahrt ... und es ist eine emotionale Triumphfahrt. Oben auf dem Timmelsjoch ist klar,  der Ötzi ist gerockt. Und selbst die letzten 2 km Anstieg an der Mautstelle sind einem scheiß egal.

Richtig geil ist dann die Durchfahrt durch Sölden, vorbei an der Stelle, wo man morgens auf den Start gewartet hat. Und die Zieldurchfahrt ... wunderbare und unbeschreibliche Emotionen:

Dieses Jahr war ich nach 11:28 Stunden im Ziel. Ich konnte es nicht glauben, 1 Stunde 20 schneller als 2014 bei dem Katastrophenwetter ... und 50 Minuten schneller als 2012 ... new record.

Auf den Fotos im Fotoalbum kannst Du Dir ein paar Impressionen anschauen.

 Fotoalbum