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race across germany 2015

Nachdem ich mich Anfang März beim AlpenBrevet angemeldet hatte, wollte ich so schnell wie möglich meinen Trainingsplan festlegen. Da ich zum ersten Mal in einem Fitness-Studio überwintert hatte, brauchte ich zunächst eine Standortbestimmung, wo ich trainingsmäßig stehe.

Was liegt da näher, als einfach so lange Rad zu fahren, bis es irgendwann nicht mehr geht:

2013 hatte ich es schon einmal probiert, mit dem Rad in 24 Stunden Duisburg zu erreichen. Damals bin ich bis kurz vor Neuss gekommen:

race across germany 2013

Und bis dorthin wollte ich auf jeden Fall noch einmal kommen. Gestartet bin ich am 10. April um 20:30 Uhr. Das ätzende Autostraßen-Teilstück der B10 zwischen Zuffenhausen und Schwieberdingen wollte ich dieses Mal vermeiden. Deshalb bin ich zunächst über Münchingen, Hemmingen und Hochdorf nach Enzweihingen gefahren ... und erst dort auf die B10. Ab da war zwar wieder viel LKW-Verkehr, aber auf einer geraden Strecke komme ich mit dem Rad deutlich schneller voran, als im Dunkeln über die Dörfer und mit ständiger Navigiererei.

Nach dem Wechsel auf die B35 in Richtung Bruchsal wurde der Verkehr dann endlich weniger ... und bei Einbruch der Nacht war ich dann nahezu alleine unterwegs. Zwischenzeitlich wurde es scheiße kalt, deshalb habe ich mich gegen 23 Uhr beim Mc. Donalds in Bretten umgezogen:

Gegen 0:30 Uhr habe ich dann den Rhein bei Speyer erreicht. Obwohl es ein kleiner Umweg war, musste ich als gebürtiger Rheinhausener (bei Duisburg) selbstverständlich vor der Rheinüberquerung noch durch Rheinhausen (bei Karlsruhe) fahren:

Scheiße gelaufen, in Speyer ist mir am Hinterrad eine Speiche gebrochen. Die "Acht" war so mächtig, dass ich die hintere Bremse aushängen musste, um weiter fahren zu können. Konditionell lief es dann zwischen Speyer und Worms wie am Schnürchen.

Eigentlich wollte ich zwischen Speyer und Köln auf der B9 fahren, um Tempo zu machen. Aber der Plan ging aber leider nicht auf, denn auf den autobahnähnlichen Autostraßen-Teilstücken (wie z.B. zwischen Worms und Mainz oder zwischen Mainz und Bingen) ist Radfahren verboten. Und die ständige Navigiererei auf den Nebenstraßen im Dunkeln mit Google Maps kostet viel Zeit und man kommt einfach nicht vernünftig vorwärts.

Bis Mainz hatte ich dann fast 200 km hinter mir und es lief unerwartet gut. Kurz vor Bingen kam dann mein erstes Tief. Und das wurde ich dann auch die folgenden 45 km auch nicht mehr los. Erst nach dem Frühstück in Bacharach kam ich wieder einigermaßen in den Tritt.

Die Fahrt durch das Rheintal lief dann wieder relativ problemlos. Nach einem Stop an einer Apotheke legte ich mir eine 1 cm Vaseline Schicht auf ... danach ließen die Schmerzen an meinem Hintern wieder nach. Auf dem weg nach Koblenz hatte noch erstaunlich viel power. Dort brauchte ich unbedingt einen Radladen mit Werkstatt, um meine gebrochene Speiche reparieren zu lassen. Thats not easy an einem Samstag, schon gar nicht mit Cannondale Spezialspeichen. Aber ich hatte echt Glück. Google Maps hat mich zufällig zu http://www.radsport-regenhardt.de geführt ... und die Mechaniker in der Werkstatt haben mir in 20 Minuten die Speiche getauscht und die Monster-Acht repariert. Thumbs up! Geiler Laden. Auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

In Koblenz habe ich dann noch zwei BigMäcs mit Pommes eingeatmet und mir eine echte Cola gegönnt ... danach ging es weiter. Ich konnte es kaum glauben, aber auch das nächste Etappenziel Bonn habe ich ohne Probleme erreicht.

Zwischen Bonn und Köln lief es dann wieder ziemlich zäh. Das  ätzende Industriegelände in Wesseling wollte und wollte nicht am Horizont erscheinen. Danach dann weiter Richtung Köln.  Um Zeit zu sparen fuhr ich nicht am Rhein entlang, sondern "jraaduss" auf der Hauptstraße. In Köln habe ich dann in einem Supermarkt ein paar Leckereien (Rollmops, Kinder-Schokolade, Mettwurst) und ein PowerBar zu mir genommen. Zwischenzeitlich hatte es angefangen, zu regnen.

Danach ging's weiter Richtung Neuss.  Als ich an dem Punkt vorbei gefahren bin, wo mir bei der Tour 2013 die Kraft ausgegangen ist und ich aufhören musste ... das war schon ein besonderes Gefühl. Damit hatte ich mein Hauptziel erreicht.

In Neuss nahm das Schicksal dann seinen Lauf. Der Plan war eigentlich, über Meerbusch links ab nach Krefeld ... um dann irgendwie so nah wie möglich an Rumeln zu meiner mum heran zu kommen. Aber ich habe diese verschissene Abzweigung bei Regen und im Dunkeln nicht gefunden. Mittlerweile schiffte es wie aus Eimern ... Navigieren war mit einem nassem Display unmöglich ... die Kräfte ließen spürbar nach ... und so eierte ich gefühlt eine halbe Stunde irgendwo  im Neusser Hafengebiet rum. Der einzige Wegweiser, den ich irgendwie einordnen konnte ... war Düsseldorf. Und das war leider die falsche Entscheidung.

Auf dem Weg nach Düsseldorf hatte ich mehr Ampeln und Stopps wie in den gesamten 23 Stunden davor. Zurück wollte ich auch nicht mehr, also habe ich mich entschlossen, zum Düsseldorfer Bahnhof zu fahren, um von dort mit dem Zug nach Duisburg zu fahren. Keine Ahnung wie oft ich mich auf dem Weg zum Hauptbahnhof verfahren habe ... immer wieder anhalten und nach dem Weg fragen ... und immer wieder umdrehen. Fuck ... so habe ich am Ende der Tour viel zu viel Zeit für ein paar Kilometer verratzt.

Ich war jedenfalls verdammt bockig, als ich dann nach etwa 24 Stunden am Düsseldorfer Hauptbahnhof angekommen bin. In der Zeit, die ich von Neuss nach Düsseldorf gebraucht habe, wäre ich sicher auch nach Krefeld gekommen ...und wer weiß ... vielleicht hätte ich dann sogar noch den Weg nach Rumeln geschafft.

Wie auch immer ... erst im warmen Zug habe ich dann realisiert, dass ich eigentlich super zufrieden mit meiner Leistung sein konnte. Ich bin ohne größere Probleme durchgekommen und bin mindestens 25 km weiter als 2013 gekommen!

Und wer weiß, irgendwann schaffe ich es ja vielleicht auch bis Duisburg.