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race across germany 2013

Sehr gerne wäre ich auch 2013 beim Ötztaler Radmarathon gestartet, doch leider wurde ich bei den beiden Verlosungen nicht gezogen. Skandal.

Seit vielen Jahren ist es gute Tradition, mir in jedem Jahr irgendeinen Scheiß auszudenken und mich einer neuen sportlichen Herausforderung zu stellen. Schließlich ist Ausdauersport meine große Leidenschaft. Und dieses Mal musste ich auch nicht lange nachdenken :-)

Für den Ötzi habe ich 2012 insgesamt 12:19 Stunden gebraucht. Und natürlich frage ich mich seit der Zieleinfahrt, was eigentlich darüber hinaus noch möglich ist. Wie lange kann ich eigentlich Radfahren? Und wie viele km schaffe ich ohne Berge? Und wie fühlt es sich an, wenn ich nicht müde, sondern am Ende bin?

Das wollte ich wissen ... und so kam die Idee auf, mit dem Rad in 24 Stunden von Stuttgart nach Duisburg zu fahren. Ostern hatte ich es auf der Tour nach Amsterdam schon mal probiert. Da bin ich aber wegen der Eiseskälte und dem Gegenwind nur etwa bis 35 km hinter Koblenz gekommen.

Am 19. Juli um 0:00 Uhr ging's los. Nach der Neckarüberquerung ging's zuerst auf der B10 in Richtung Schwieberdingen (die autobahnähnlich ausgebauten Teilstreckenecht sind echt scheiße für Radler), danach bei Illingen auf die B35 in Richtung Bretten. Dort gab's um 03:00 Uhr bei Mc Donalds erst einmal eine "echte" Cola für den Zuckerspiegel.

Anschließend ging's weiter nach Bruchsal. Und bevor ich danach bei Speyer den Rhein überquert habe, musste ich wegen der Emotionen einen kleinen Umweg über Rheinhausen (wegen meiner Heimatstadt Rheinhausen bei Duisburg) fahren.

Die Fahrt durch die Nacht verlief reibungslos. Trotzdem war ich irgendwie froh, dass ich nach der Rheinüberquerung endlich wieder bei Tageslicht fahren konnte.

Die nächste Etappe bis Ludwigshafen ging vorbei wie im Flug. Dort konnte ich an einer Bäckerei dem Geruch nicht mehr widerstehen und habe mir zwei fette Wurst-/Käsebrötchen, einen heißen Kaffe, eine Cola und ein KinderCountry zum Frühstück gegönnt. Danach ging's dann am Rhein entlang in Richtung Mainz. Je länger ich unterwegs war, desto mehr nahm der Wind spürbar zu. Auf dem Weg von Mainz nach Bingen habe mich genau wie Ostern wieder total verfahren, weil mir jemand den falschen Weg gezeigt hat. Insgesamt bin ich mindestens 30 Minuten durch Mainz gegurkt, habe kostbare Zeit verloren und viel unnötige Energie an zwei steilen Anstiegen versemmelt. Aber dafür weiß ich jetzt, wo die Uni liegt und bin am Stadion des FSV Mainz vorbei gefahren.

Im 80 km langen Rheintal zwischen Bingen und Koblenz wurde es immer heißer, die Sonne brannte, es gab kaum Schatten, die Kräfte ließen Stunde um Stunde nach ... und ich war stundenlang gnadenlos dem Wind ausgesetzt:

  against the wind

Pro Stunde habe ich locker eineinhalb Liter Wasser verbraucht ... und in der Nähe von Boppard musste ich sogar in den Rhein springen, um meinen Körper irgendwie abzukühlen. Legendär auch das Mittagessen danach: Bifi, Puddingteilchen, Eis-Konfekt, Bananen und eine Dose Cola. Lecker.

Die 100 km lange Strecke zwischen Koblenz und Köln wurde dann so richtig dreckig. Mittlerweile hatte ich schon 18 Stunden in den Knochen und habe mindestens 10 Stunden gegen den verschissenen Wind angekämpft. Auf den letzten 30 km vor Köln (gegen 19 Uhr) gab es dann  Phasen, in denen ich 5 bis 10 mal getreten habe ... um dann kurz zu rollen, um mich für ein paar Sekunden zu erholen. Es hat ganz schön Kraft gekostet, Köln irgendwie noch zu erreichen. In den Rhein-Promenaden habe ich mir dann zwei Crêpes mit Sahne, Schokolade, Pommes und Cola gegönnt und kam danach wieder einigermaßen zu Kräften.

An dieser Stelle war aber bereits klar, dass ich Duisburg in den nächsten dreieinhalb Stunden bis 0:00 Uhr nicht mehr erreichen konnte. Trotzdem wollte ich mich noch ein allerletztes Mal aufraffen ... und noch einmal alles aus meinem Körper rausholen. Letztendlich habe ich dann noch etwa 40 km bis Neuss geschafft. Erstaunlicherweise hatte ich hinter Dormagen sogar noch einmal ein kleines Hoch. Etwa 10 Minuten schaffte ich noch einmal etwa 25 km/h. Danach ließen dann die Kräfte signifikant nach ... und irgendwann ging dann nix mehr.

Gegen 23 Uhr endete dann nach ca. 420 km in Neuss meine um Mitternacht begonnene Herausforderung. Für Duisburg hat's zwar nicht gereicht ... aber mit dem Ergebnis konnte ich wunderbar leben. Ich war hoch zufrieden und überhaupt nicht enttäuscht. Der Wettkampf war der längste ever ... fast doppelt so lang wie der Ötzi ... und ich war einfach nur stolz und froh, dass Mensch und Maschine gehalten haben.

Mein Fazit? Wieder einmal unbeschreibliches Erlebnis, dass ich nie vergessen werde. Letztendlich hat sich wieder einmal einer meiner Lieblingssprüche bewahrheitet: 

„You're testing your limits, you`ll find out a lot about yourself."