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Allgäu Triathlon 2011

Tja, wie kommt man eigentlich dazu, sich mit Arthrose im Stadium 4 bei einem Triathlon anzumelden?

Its realy simple. Genau genommen, weil mir ein Sportsfreund im Fitness-Studio mit seinen Erzählungen tierisch auf den Sack gegangen ist. Und da gibt es bei Männern nur eines: nicht nachdenken, sondern anmelden, Hotel buchen ... und sich der Herausforderung stellen. Später kann man dann immer noch nachlesen, was einen so alles erwartet. So geschehen im Dezember 2010.

Hätte ich vor der Anmeldung die Homepage des Immenstadt-Triathlons ausgegoogelt, hätte ich gewusst, dass dieser zu den schwersten in der Halbdistanz (2km Schwimmen, 80 km Fahrrad und 20 km Laufen) zählt. Vor allem wegen des Höhenprofils der Radstrecke mit über 1.200 Höhenmetern:

Wie auch immer, im Februar 2011 habe ich mit dem Training für das Projekt Triathlon begonnen. Da ich nicht kraulen konnte, war meine Strategie zunächst, die 2 km Schwimmen irgendwie mit Brustschwimmen hin zu kriegen und mich aufs Radfahren und Laufen zu fokussieren. Scheiße gelaufen, dass in Immenstadt beim Schwimmen ein Zeitlimit von max. 55 Minuten für die 2 km im großen Alpsee gesetzt ist! Ansonsten ist man raus aus dem Wettkampf!

Mein erster Schwimmtest über 2 km Brustschwimmen lag bei 01:02 Stunden, damit war klar, ich musste schneller werden und kraulen lernen. Und ich hasse schwimmen ... und vor allem hasse ich kaltes Wasser. Aber zum Glück gibts ja tausend YouTube-Videos "Wie lerne ich kraulen?" und den "Pull-Boy" (thanx Micha für den Tipp). Parallel dazu Krafttraining mit der Hantel, um Power fürs Kraulen zu kriegen ... und meine Beine beim Schwimmen möglichst viel zu entlasten.

Das Fahrrad-Training habe ich intensiviert ... und ab sofort ging es mit dem Rad nur noch in die Weinberge. Vier mal 2 Stunden Training pro Woche hören sich für einen Normalsportler vielleicht viel an ... ein amnitionierter Triathlet kann über dieses Trainingspensum nur müde lächeln.

Am  23. Juli 2011 gings endlich los. Die Rahmenbedingungen an diesem Wochenende konnten schlechter nicht sein. Der ganze Wettkampf im fuckigen Dauerregen. Nachdem ich das Fahrrad und die drei Wechselbeutel in der Startzone abgegeben hatte, bin ich mit sehr gemischten Gefühlen zum Schwimmstart gegangen.

Der Alpsee hatte nur 15 Grad, die Strömung war heftig (komisch, im Freibad war die Oberfläche total ohne Wellen), das drohende Zeitlimit mit 55 Minuten ... und dazu die Ungewissheit, gleichzeitig mit 500 Schwimmern los zu kraulen.

  Start Triathlon

Die ersten 200 Meter nach dem Start waren tatsächlich eine einzige Katastrophe. Permanente Behinderungen durch Tritte und Schläge von anderen Schwimmern, dazu kreuzten sich dauernd die Wege ... und ich musste oft anhalten, um mich zu orientieren und die Wendebojen anzupeilen. Außerdem führten die hohen Wellen dazu, dass ich mich oft tierisch verschluckt habe. Erst auf den letzten 800 Metern nach der zweiten Wendeboje habe ich meinen Rhythmus aus dem Freibad gefunden. Gefühlmäßig empfand ich die Zeit vor allem wegen der vielen kurzen Unterbrechungen während des Schwimmens als total "schlecht" ... umso überraschter war ich, als ich nach 47 Minuten aus dem Wasser lief! Neuer persönlicher Rekord, so schnell wie noch nie zuvor :-)

Etwa hundert Meter nach dem Wasserausgang lagen die Kleidersäcke ... leider im Freien. Scheiße gelaufen, denn die Rad-Klamotten waren schon nass. Ich habe echt zehn Minuten gebraucht, bis ich umgezogen war und auf Rad steigen konnte. Es hat so geschifft, dass ich sogar die schwulen Gamaschen (thanx Micha für den Tipp) drüber gezogen habe. Ich hatte gerade meine erste Banane auf, da kam schon der berüchtigte Kalvarienberg mit einer Steigung von 18%. Kurz, aber heftig.

Viel mehr Respekt hatte ich vor dem Anstieg von Niedersonthofen nach Missen. Den bin ich am Vorabend mit dem Auto abgefahren ... mein lieber Scholli, 5 km voll krasse Steigung am Stück! Keine Ahnung warum, aber trotz der widrigen Verhältnisse (man hatte dauernd die Gischt vom Vordermann in der Fresse, auf den Abfahrten konnte man nicht wirklich Gas geben ... und der Regen war so kalt, dass sogar Bremsen manchmal schwer fiel) lief die erste Runde über 40 km perfekt. Und das beste ... die zweite noch besser :-)

Am Ende habe ich 03:15 Stunden für die 80 km und die 1.200 Höhenmeter gebraucht ... damit hätte ich niemals gerechnet. Der Wechsel aufs Laufen hat wieder zehn Minuten gebraucht. Meine Hände waren so kalt vom Radfahren, dass ich meine Schuhe kaum aufgekriegt habe. Und meine Laufklamotten waren komplett nass, da der Kleidersack ja vier Stunden im Regen lag! Super! Meine Füße waren am Anfang total "taub" und ich habe fast vier Kilometer gebraucht, bis ich Betriebstemperatur erreicht hatte. Bei meinen zwei Schweinetrainings vor dem Wettkampf hatte ich nach zehn Kilometern Laufen einige Kraftprobleme ... in Immenstadt lief alles bestens.

Vielleicht lag es ja an dem Lied "Gib Dich nicht auf" von Xavier Naidoo, bei dem ich zum ersten Mal so richtig auf den Text geachtet habe ...und das seitdem zu meinen Lieblingslieder gehört.

Der Mann hat einfach recht! Wenn bei einem Wettkampf über sechs Stunden im Dauerregen keine Bananen, PowerBars und Kohlehydrate mehr helfen ... dann hilft am Ende aller Tage einfach nur noch der Glaube an sich selbst. Und ich konnte es kaum glauben, als ich nach 01:57 Stunden Laufen tasächlich ohne Probleme im Ziel ankam ... nur unwesentlich langsamer als meine Halbmarathonzeit.

Insgesamt habe ich incl. der beiden langen Wechselphasen nur 06:20 Stunden für meinen ersten Triathlon gebraucht. Das hätte ich im Vorfeld nie für möglich gehalten :-)

Das es dann unmittelbar nach dem Zieleinlauf aufhörte zu regnen, war mir scheiß egal. Auch das mein dritter Wechselbeutel mit den trockenen Klamotten für danach völlig durchnässt war! Ich war einfach nur glücklich, diesen Triathlon geschafft zu haben. Und als ich in der Ergebnisliste gelesen habe, dass 40% aller Teilnehmer aufgegeben haben, wusste ich meine Leistung erst Recht  einzuordnen.

Auf den Fotos im Fotoalbum kannst Du Dir ein paar Impressionen anschauen:

 Fotoalbum

Mein Fazit? Ich bin ziemlich blauäugig an mein Projekt "Triathlon" heran gegangen und deswegen von vielen belächelt worden. Ich habe nicht viel aber sehr diszipliniert trainiert ... und am Ende aller Tage hatte ich während des gesamten Wettkampfes trotz des Sauwetters und der widrigen Bedingungen keinerlei Probleme.

Und es ist kein Witz. Noch auf dem Weg zurück ins Hotel habe ich mir gedacht "Gott sei Dank, dass mir der Typ im Fitness-Studio auf den Sack gegangen ist", denn sonst hätte ich dieses unvergessliche Erlebnis niemals erlebt. Und letztendlich hat sich auch einer meiner Lieblingssprüche bewahrheitet: 

„to get something you never had ... you have to do something you never did!"