www.UweMadej.de

  
 

TransAlp von St. Anton zum Gardasee

Nach der Bezwingung des Bonette-Passes in 2006 musste irgendwann eine Herausforderung in Form einer Transalp-Tour folgen. Dieses Mal hat mich "the president himself" begleitet. Lange haben wir das Buch "Traumtouren TRANSALP" von Ulrich Stanciu studiert und zig Touren mit der CD geplant ... dann stand die Herausforderung für die international erfahrenen Rad-Profis fest:

"Glacier Express": Die großen Gletscher liegen am Weg - Silvretta, Ortler, Presanella, Adamello. Die Transalp 17 ist eine Tour der Superlative. Einmalige Landschaften aus Eis und Fels, Single-Trail-Abfahrten von atemberaubender Länge und die höchsten Übergänge aller Trans-Alp Touren. (Ulrich Stanciu über die Tour in Traumtouren Transalp)

Gestartet sind wir am 05. August um 9 Uhr in Sankt Anton auf ca. 1.300 Metern.

Was wir (zum Glück) zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Bei der Vorbereitung der Tour sind wir offensichtlich höchst professionell ähhh "blauäugig" vorgegangen. Unsere Bikes waren eindeutig viel zu schwer ... und die Kapitel in dem Transalp-Buch über die "Schieben und Tragen Passagen" haben wir wohl irgendwie überlesen.

Wie man sich "Schieben und Tragen" vorstellen muss? Guckst Du:

 Schieben und Tragen

Das erste Teilziel war die Heilbronner Hütte auf 2.320 Meter. Leider hat es geschifft ohne Ende und die Wege waren eher kleine Bäche. Und je nasser die Klamotten von Stunde zu Stunde wurden, desto kälter wurde es. An der Heilbronner Hütte waren wir bereits völlig durchnässt und mussten schon unsere Ersatzklamotten anziehen.

Blöd war, dass danach unser Kartenmaterial für die Tour total aufgeweicht und unleserlich war. Nach einer warmen Suppe ging es dann im Nebel bergab bis nach Ischgl ... und endlich kam dann die Sonne raus. An der Seilbahn haben wir noch eine kleine Pause eingelegt, dann kam der Aufstieg zur Heidelberger Hütte (2.264 Meter) ... und danach gings weiter hoch auf den Fimber Pass auf 2.608 Meter.

Unter einem "Pass" hatten wir uns eigentlich einen Weg und kein Bachbett vorgestellt. Aber gut ... obwohl wir erst gegen 18:00 Uhr viel zu spät an der Heidelberger Hütte angekommen sind, haben wir den Aufstieg auf den Fimber Pass (2.608 Meter) noch in Angriff genommen. Mehrere Stunden "Schieben und Tragen" (selbst beim Abstieg!) waren nun angesagt. Und so sind wir nach 77 km und ca. 3.000 Höhenmetern erst um 22:00 Uhr in unserem Hotel in Sur En angekommen. Völlig im Arsch ... aber wir hatten die erste Etappe geschafft.

Die zweite Etappe begann in Sur En (1.107 Meter) mit dem Aufstieg zur legendären Val d’Uina Schlucht. Diese Durchfahrt ist wirklich spektakulär, beeindruckend und einzigartig. Der Weg ist teilweise nur 1,5 Meter breit und an der Seite geht ein steiler Abhang von 250 Meter in die Tiefe.

Danach ging es weiter zur Sesvenna Hütte bis auf 2.305 Meter. Erneut haben wir viel Zeit mit unseren viel zu schweren Bikes bei den "Schieben und Tragen Passagen" verloren (fast alle Biker waren ohne Gepäck unterwegs!). Eigentlich sollte danach noch der Aufstieg zum höchsten Biker-Übergang der Alpen erfolgen. Da aber über dem Madritsch Joch (3.123 Meter) Regenwolken aufzogen ("Bei schlechtem Wetter sollten Sie das Madritsch Joch auf keinen Fall angehen") und wir im Zeitplan wieder total hinten lagen, haben wir uns beim Mittagessen auf der Sesvenna Hütte schweren Herzens entschlossen, unsere Route zum Gardasee zu ändern. Da das Hotel für die zweite Nacht aber bereits gebucht war, mussten wir das Madritsch Joch großräumig umfahren. Die folgenden 60 km bis zum Martelltal mussten wir dann richtig Gas geben. Und dieses Mal sind wir schon um 17:30 Uhr im Hotel angekommen. Nach zwei Tagen Quälerei hat das Hallenbad im Hotel und das 4-Gänge Menü richtig gut getan.

Die dritte Etappe war mit 113 Kilometern die längste und ging von Burgaun im Martteltal vorbei an Meran über den Gampen Pass bis nach Trento. Zunächst dachten wir, dass der Gampen Pass mit lächerlichen 1.518 Metern für uns Profis eigentlich keine große Herausforderung sein sollte ... aber durch die hohen Temperaturen (Verbrauch: zwei Liter Wasser, zwei Müsli-Riegel und eine Banane pro Stunde) und den zwei schweren Alpenetappen der Vortage in den Beinen und fiel es uns irgendwie nicht so leicht wie zunächst gedacht.

Der Spruch dieses Tages?. Guckst Du

 Ich fühle mich scheiße

Und wenn Du Impressionen von einem 3 Stunden langen Aufstieg sehen willst ... guckst Du:

 Bergkönig

Die vierte und letzte Etappe bis zum Gardasee ging "nur noch" über 75 Kilometer und war von den Höhenmetern nicht ganz so anspruchsvoll. Aber selbst bei den niedrigeren Pässen tat wirklich jeder einzelne Höhenmeter doppelt weh. Genial war dann die Stelle, an wir den Gardasee zum ersten Mal sehen konnten. Und die 20 km lange Abfahrt von dort nach Riva del Garda war einfach nur geil ... ohne viel zu treten hatten wir locker 50km/h auf dem Tacho.

Den Sprung in den Gardasee hatten wir uns nach 4 Tagen Quälerei verdient ... einfach gigantisch. In den 4 Tourtagen sind wir insgesamt 366 km und über 10.000 Höhenmeter in einer Fahrzeit von 37 Stunden und 8 Minuten gefahren. Das war nicht schlampig ... aber anstrengender als erwartet. Es war zwar rückblickend schade, das wir das Madritsch Joch umfahren mussten (irgendwann ist es fällig!!), aber alles in allem war es eine beeindruckende und richtig geile Fahrrad-Tour!!!